08.04.2021 / Lutherstädte

Preisverleihung "Das unerschrockene Wort" verschoben

Die ursprünglich für den 24. April vorgesehene Preisverleihung "Das unerschrockene Wort" wird vor dem Hintergrund des aktuellen Infektionsgeschehens in den Sommer verlegt.

Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen, der Verlängerung des Lockdowns und der damit einhergehenden Unsicherheit, ob die Preisträgerinnen im April überhaupt aus dem Ausland einreisen dürfen, haben sich die Stadtoberhäupter der beteiligten Lutherstädte im Einvernehmen mit den Preisträgerinnen dazu entschieden, die vorgesehene Preisverleihung in den Sommer zu verlegen.
Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen, der Verlängerung des Lockdowns und der damit einhergehenden Unsicherheit, ob die Preisträgerinnen im April überhaupt aus dem Ausland einreisen dürfen, haben sich die Stadtoberhäupter der beteiligten Lutherstädte im Einvernehmen mit den Preisträgerinnen dazu entschieden, die vorgesehene Preisverleihung in den Sommer zu verlegen.
© Fotograf: R. Uhrig

"Hoffen auf Besserung der Lage"

Am 24. April dieses Jahres sollten die drei weißrussischen Bürgerrechtlerinnen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa in Worms mit dem vom Bund der Lutherstädte ausgelobten Preis „Das unerschrockene Wort“ ausgezeichnet werden. Vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen, der Verlängerung des Lockdowns und der damit einhergehenden Unsicherheit, ob die Preisträgerinnen im April überhaupt aus dem Ausland einreisen dürfen, haben sich die Stadtoberhäupter der beteiligten Lutherstädte im Einvernehmen mit den Preisträgerinnen dazu entschieden, die vorgesehene Preisverleihung in den Sommer zu verlegen. 

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lassen sich Präsenzveranstaltungen aufgrund der Unwägbarkeit der Corona-Entwicklung kaum realisieren. Mit den warmen Sommertemperaturen hoffen wir auf Besserung der Lage und darauf, einen dem Anlass angemessenen Festakt ermöglichen zu können“, verdeutlicht der Wormser Oberbürgermeister Adolf Kessel. Eine Preisverleihung im digitalen Format wäre für alle Beteiligten im Jahr der 500ten Widerrufsverweigerung von Martin Luther vor dem Reichstag in Worms nur eine Notlösung.

Für Menschenrechte, freie Meinungsäußerung und freie Wahlen

In den Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Belarus formierte sich eine landesweite Opposition, die von drei Frauen angeführt wird: Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa entfachten eine Protestwelle gegen den amtierenden (und schließlich unter höchst zweifelhaften Umständen wiedergewählten) Präsidenten Alexander Lukaschenko und den von ihm geschaffenen Unrechtsstaat. Die Proteste halten nach wie vor an und immer wieder sind es Frauen, die mutig ihre Stimme für Menschenrechte, freie Meinungsäußerung und freie Wahlen erheben. 

„Diese drei Frauen stehen stellvertretend für tausende von friedlich demonstrierenden Menschen, die derzeit für politische Veränderungen in Weißrussland kämpfen. Sie stehen für eine friedliche Revolution, für Neuwahlen und für eine demokratische Zukunft ihres Landes. Wie die Nachrichten zeigen, riskieren sie dafür Verfolgung, Haft, Folter und Abschiebung. Auch wenn die drei Frauen in Detailfragen zur Zukunft von Belarus nicht immer die gleichen Positionen vertreten, stehen sie untrennbar zusammen, denn die letztendlichen Entscheidungen für eine Zeit nach der Herrschaft von Alexander Lukaschenko soll nach demokratischen Wahlen das Volk treffen“, so die Jury in ihrer Begründung. Mit dem Preis „Das unerschrockene Wort“, der mit 10.000 Euro dotiert ist, honorieren die Lutherstädte die Entschlossenheit, das mutige Auftreten und den friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Preisträgerinnen sind große Vorbilder

„Der Preis der Lutherstädte würdigt die zentrale Bedeutung des freien Wortes, das der Wahrheit verpflichtet ist und für ein freiheitliches demokratisches Gemeinwesen steht. Ob Engagement gegen Rechtsextremismus, Rassismus, politische oder gesellschaftliche Unterdrückung – die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger haben auf unterschiedliche Weise Mut bewiesen und sich so die Auszeichnung „Das unerschrockene Wort“ verdient. Es ist mir eine besondere Freude, dass der 13. Preis anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Wormser Reichstag“ im Jahr 2021 in unserer Stadt an Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa verliehen wird, die heute so standhaft sind wie damals Martin Luther vor Kaiser und Reich“, betont OB Adolf Kessel. 

Im Bund der Lutherstädte sind 16 Orte in Deutschland zusammengeschlossen, an denen Luther gelebt oder gewirkt hat. Sie würdigen mit der Auszeichnung Personen, die Zivilcourage zeigen und sich in einer besonderen Situation, aber auch beispielhaft über einen längeren Zeitraum hinweg, mit Wort, Tat und Mut gegen Widerstände für die Gesellschaft einsetzen.

Preis wird alle zwei Jahre in einer Lutherstadt vergeben

Im Andenken an das Wirken Martin Luthers wird „Das unerschrockene Wort“ seit 1996 alle zwei Jahre in einer der Lutherstädte vergeben. Der Preis 2019 ging an die Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Die 55-jährige Berlinerin mit türkisch-kurdischen Wurzeln kämpft für die Rechte muslimischer Frauen, für einen liberalen Islam und gegen politisch-religiösen Extremismus in Deutschland und Europa. Der Preis erinnert an den Mut und die Standhaftigkeit des Reformators, als dieser sich auf dem Reichstag zu Worms 1521 weigerte, seine Ansichten zu widerrufen und daraufhin geächtet wurde.

Jede der 16 Lutherstädte kann einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus dem In- oder Ausland für den Preis nominieren. Aus diesen ermittelt die Jury – bestehend aus den Vertreterinnen und Vertretern der Städte und weiteren Personen des öffentlichen Lebens – die gemeinsame Preisträgerin bzw. den Preisträger.

Zum Bund der Lutherstädte gehören Marburg, Augsburg, Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle (Saale), Heidelberg, Magdeburg, Nordhausen, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz.

Quelle: Stadt Worms / Pressestelle

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